Wenn mal wieder Nichts funktioniert

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Ich bin zuletzt eine Woche durch Bayern gefahren. Eigentlich wollte ich zum Königsee, aber eine gerissene Kette und eine gebrochene Speiche ließen das nicht zu.

Ich hab bereits in mehreren Reiseberichte beschreiben, dass mir Radfahren nicht immer Spaß macht, wie mir die Kette gerissen ist, eine Speiche gebrochen ist, ich in den Regen gekommen bin und mir eine Zeltstange gebrochen ist. Als mir, nachdem die Speiche repariert war, an einem Anstieg mit über 10% Steigung die Felge aus dem Rahmen gerutscht ist, hätte ich am liebsten das Rad inklusive Gepäck den Berg runtergeschmissen, mich in einem Loch vergraben und gewartet, was als nächstes passiert.

Das war aber nicht meine erste Pannenserie auf einer Rundreise. Bei einer meiner ersten Frankreichtouren, damals noch mit dem Auto von meinem Vater, hab ich den PIN meiner Kredit-, sowie EC-Karte vergessen, so dass ich nur noch mit Kreditkarte und Unterschrift bezahlen konnte. Ich kam mir so doof vor, wenn ich vor dem Einkauf an der Kasse nachgefragt hab, ob ich, wenn ich mit Kreditkarte bezahle, meinen PIN eingeben oder unterschreiben muss. Irgendwann hab ich nur noch bei großen Supermärkten eingekauft, weil ich dort höchstens meinen Personalausweis vorzeigen, aber nie meinen PIN eingeben musste.

Wer weiß,
was fehlt?

Während der Reise ist mir außerdem in Südfrankreich der rechte Vorderreifen geplatzt. Ich hab den Reifen gewechselt und bin mit Ersatzrad zur nächsten Werkstatt, wo ich erstmal komisch angeschaut wurde als ich nachgefragt hab, ob ich bei Kreditkartenzahlung mit PIN oder Unterschrift bezahlen muss. Netterweise haben sie sich bereit erklärt es zu testen: ich hätte mit PIN bezahlen müssen. Also bin ich mit dem Ersatzrad weiter gefahren und anstatt weitere Werkstätten zu testen, hab ich bei meiner Werkstatt in Deutschland angerufen, die mir erklärt hat, dass ich mit dem Reifen bis nach Deutschland fahren könne, aber mit maximal 70 km/h. Kurz davor ist das Auto in der Camargue gar nicht mehr angesprungen, weil die Batterie leer war; drei Tage hing ich am Mittelmeer fest.

In den drei Tagen hab ich erst mit der lokalen Werkstatt telefoniert, die allerdings niemanden schicken wollten, weil unklar war, ob ich bezahlen konnte. Zu dem Zeitpunkt war ich noch nicht ADAC+ Mitglied und ein Mitarbeiter in der ADAC-Hotline hat mir erklärt, dass die Pannenhilfe nur für Plus-Mitglieder im Ausland abgewickelt werden kann und mir Unterstützung durch den ADAC auch nicht anderweitig in Rechnung gestellt werden kann. Als ich dann jemanden mit Überbrückungskabel gefunden hab, ging der Startversuch schief, weil der andere Autofahrer kaum Zeit hatte und ich keinen anderen Autofahrer mit Überbrückungskabel gefunden hab. Ich war auch noch im Tourismusbüro, die nochmal mit der lokalen Werkstatt telefoniert haben, aber sie ebenfalls nicht überzeugen konnten, mir zu helfen.

Vom Tiefpunkt zum Gipfelsturm

Am dritten Tag haben zwei Franzosen versucht das Auto anzuschieben, aber ich hab es wieder nicht starten können. Dann hat einer der beiden das Steuer übernommen und ich hab stattdessen angeschoben. Zuerst hat es auch bei ihm nicht funktioniert, aber dann ist das Auto tatsächlich angesprungen und ich konnte meine Reise fortsetzen. Von Saintes-Maries-de-la-Mer ging es nach Arles. Vorbei an Stieren, Pferden, Flamingos und Reisfeldern. Die Erleichterung war groß. Das Glücksgefühl wie bei einer Gipfelbesteigung.

Wenn in einer Situation alles schief geht, ist es nur ein schwacher Trost – meist eine zermürbende Plattitüde – das auf ein Tal der nächste Gipfel folgt. Aber es lohnt sich nicht aufzugeben, sondern auch bei Problemen weiterzumachen.

Wenn ich im Leben nicht mehr scheitern würde, dann wohl nur, weil ich mein Nest nicht mehr verlassen würde. Bei jedem Projekt geh ich nicht nur davon aus, dass irgendetwas nicht funktionieren wird, sondern ich hab mich daran gewöhnt, dass es immer Höhen und Tiefen gibt. Aber wenn alles nach Plan verlaufen würde, würde der Reiz verloren gehen überhaupt etwas zu machen. Schließlich wäre der Ausgang bereits absehbar. Ich ärgere mich auch, wenn etwas schief geht und es fällt mir schwer mit Rückschlägen umzugehen, aber gleichzeitig ist das mein größter Antrieb. Je mehr Probleme ich löse, umso mehr Lösungen kann ich kombinieren, um neue Ideen zu kreieren. Wenn ich nicht aus dem Nest fallen würde, würde mir dafür der Horizont fehlen. Wenn ich mich aber weiterhin neuen Herausforderungen stelle, kann ich nur dazulernen, selbst wenn etwas mal wieder nicht funktioniert…

P.S. Das Titelbild ist entstanden als mir in Arles an meinem VW Bus der Auspuff abgefallen ist und ich ihn mit Draht an die Karosserie gehängt hab. Die Pannenserie mit meinem VW-Bus steht aber auf einem anderen Blatt.

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