Soziale Netzwerke: eine Hass-Liebe

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Blog Freilichttexterei
Soziale Netzwerke sind toll. Ich verbring gerne Zeit auf YouTube, Instagram oder Strava. Nicht nur um mir die Zeit zu vertreiben, sondern um am Leben anderer teilzuhaben und mein Empathielevel zu verbessern. Aber manchmal machen mich die sozialen Netzwerke und deren Nutzer einfach nur wütend.

Menschen sind ignorant, denn niemand hat die Welt verstanden und niemand interessiert sich für alles, was auf der Welt passiert.

Ignoranz, Unwissenheit oder Missachtung zeichnet sich dadurch aus, dass eine Person etwas nicht kennt, nicht wissen will oder nicht beachtet (missachtet).

Quelle: Wikipedia

Ich hab eigentlich kein Problem damit ignorant zu sein, denn selbst wenn mir manche Ansichten oder Lebensweisen suspekt sind, kann ich damit leben, wenn ich das Gefühl hab, dass die Person damit zufrieden ist und niemandem schadet. Das lässt sich aber erst im persönlichen Gespräch herausfinden. Wenn man merkt, wie die Person auf Nachfragen reagiert und man für eine Antwort oder Erwiderung weiter ausholen kann, weil man sich Zeit für das Gespräch nimmt.

In sozialen Netzwerken führe ich meistens Smalltalk. Das kann auch schön sein, weil ich mich nicht immer mit dem (Un)Sinn der Welt beschäftigen möchte. An ernst gemeinten Diskussionen beteilige ich mich selten, weil ich nicht das Gefühl hab, dass sie über ein oberflächliches Gespräch hinausführen. Tiefere Dialoge entstehen eher in privaten Chats und können dazu führen, dass ich manche Diskussion in meinem persönlichen Umfeld fortsetze. Und dafür liebe ich die sozialen Netzwerke.

Ich kann mir Meinungen, Gedanken und Ideen ortsunabhängig in meinen Mikrokosmos ziehen. Ohne Probleme. Ich muss mich im Internet nur in die entsprechende Blase begeben, was in der realen Welt wesentlich schwieriger wäre, weil die Welt offline nicht so umfangreich vernetzt ist. Man kann online viel leichter Mäuschen spielen. Ich kann mir auf YouTube Let’s Player, Vlogger, Reaction-Videos oder sonstiges anschauen ohne mich mit den Personen persönlich zu beschäftigen. Bei Instagram schau ich mir gerne TikTok Videos an, suche nach Travelbloggern oder Essensbildern, was dazu führt, dass ich in meinem Entdecken-Feed bei Instagram einen völlig wirren Mix find, der selten zu den Accounts passt, denen ich aktiv folge.

Ein Beispiel:

Du willst meinen Lieblingssong wissen?

Manchmal führt das dazu, dass ich die Menschen, deren Inhalte ich anschaue, am liebsten durchs Smartphone anschreien würde. Aber anstatt wie Rumpelstilzchen um mein Smartphone zu springen und die digitale Welt zu verfluchen, versuche ich normalerweise zu verstehen, warum ich Kopf schüttelnd vorm Smartphone sitze. Meistens ist das relativ einfach: weil jemand nicht so denkt und handelt, wie ich. Deshalb schau ich mir ja aber die Inhalte überhaupt an. Denn das ist doch schön. Das Leben ist komplex und ich kann nicht davon ausgehen, dass die Welt immer meiner Meinung ist. Schließlich will ich nicht als Diktator leben. Stattdessen will ich mich nicht nur mit meinem Weltbild, sondern auch mit Meinungen, die meiner persönlichen Einstellungen widersprechen, beschäftigen, um dadurch die Welt besser kennenzulernen, besser zu verstehen und mein Weltbild weiterzuentwickeln.

Die sozialen Netzwerke führen mir immer wieder meine eigene Ignoranz vor Augen, weil ich manches einfach nicht nachvollziehen kann, aber sie helfen mir dadurch etwas weniger ignorant und stattdessen ein bißchen empathischer zu leben. Danke Social Media.

P.S. I’m watching you…

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