Mir hat es die Sprache verschlagen

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Eigentlich wollte ich einen Text über den Flow beim Schnitt und der Animation von Videos schreiben und wie der tranceartige Zustand mich aus dem Gleichgewicht bringt – aber mir fehlen die passenden Worte.

Ich nutze kein Storyboard und hab kein Konzept, wenn ich an einem Video arbeite. Ich versuch meine Gedanken und Gefühle zu visualisieren und verlass mich auf meine Intuition. Einzelne Szenen schau ich in Dauerschleife, um zu überprüfen, ob das Gezeigte meinem Gefühl entspricht. Im Gegensatz zu einem Bild besteht die Komposition eines Videos aus Bildfolgen. Wenn ich die Komposition einer Sequenz verändere, selbst wenn es nur ein Bild ist, muss ich mir immer die gesamte Bildfolge anschauen. Und um zu sehen, ob die einzelnen Sequenzen zur Gesamtkomposition passen, schau ich mir auch sehr oft das komplette Video an.

Selbst wenn ich nicht aktiv an den Videos arbeite, köcheln in meinem Kopf Ideen und Bilder, wie ich einzelne Sequenzen anpassen oder fortsetzen könnte. Je länger ich über einzelnen Sequenzen brüte, umso mehr Bilder fliegen durch meinen Kopf und die Komposition der Videos wird immer komplexer.

Je öfter ich mir die einzelnen Sequenzen anschaue, umso mehr verlier ich mich darin. Ich kann dann nicht mehr in Worten denken, weil alles in meinem Kopf zu Brei verkocht. Die Einzelbilder und Bildfolgen der Videos schwirren mir durch den Kopf und mischen sich mit anderen Gedanken, die ich assoziativ miteinander verknüpfe. Das Kinderspiel „Tempo, kleine Schnecke“ ist beispielsweise in das letzte Video eingeflossen, weil ich mir den Satz regelmäßig anhören muss (Gruß geht raus an die Familie _____________). Deshalb verbinde ich mit vielen Szenen noch mehr Bilder als die, die in einem Video zu sehen sind und durch meinen Kopf rattern irgendwann so viele Bildfolgen, dass ich nicht nur den Überblick verliere, sondern ich meine Gedanken und Gefühle nicht mehr reflektieren kann, weil mir die Worte dafür fehlen.

Kann man mit Bildern nur kommunizieren oder auch Gedanken reflektieren?

Wenn mir die Worte fehlen, fehlt mir die Möglichkeit nachzudenken. Ich denke zwar nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern, aber den Bildern fehlt die Klarheit der Worte. Wenn ich schreibe, dass ich in Bildern denke, meine ich damit nämlich nicht, dass ich die Bilder beschreiben kann. Es sind emotionale Bilder, die sich mit Gefühlen vermischen. Wenn ich beispielsweise die Arbeit an einem Video mit einem Bild beschreiben müsste, würde ich mich nicht für einen Zirkus oder eine Achterbahnfahrt entscheiden. Es geht zwar drunter und drüber, aber bei beiden Assoziationen könnte ich mit Worten ein klares Bild zeichnen. Wenn ich die Arbeit an einem Video visualisieren müsste, wäre es eine Reise durch die Zeit. Und die lässt sich nicht abbilden, sondern ich könnte mich höchstens mit einer Bildbeschreibung annähern.

Wenn mir die Möglichkeit fehlt, meine Videos mit Worten zu reflektieren, kann ich sie nicht richtig verarbeiten und nicht mit ihnen abschließen. Es gibt kein Ende. Und durch meine assoziative Arbeitsweise wachsen in meinem Kopf, wie bei einer Hydra, neue Handlungsstränge, sobald ich eine Sequenz beendet hab. Um nicht im Chaos zu versinken, schlag ich mir deshalb irgendwann alle Handlungsstränge aus dem Kopf. Ansonsten wären in meinem Kopf zu viele Köpfe. Zu viele Gedanken. Zu viele Bilder. Und ich könnte es irgendwann nicht mehr mit mir aushalten.

Um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, versuch ich mich nach der Arbeit an einem Video auf die Sprache zu konzentrieren, um mit Worten meine Gedanken zu sortieren und meine Sprache zurückzugewinnen. Wenn ich zu viele Bilder im Kopf hab, lese ich gerne Artikel oder Bücher. Oftmals komme ich beim Lesen auf Gedanken, die mir dabei helfen, die Bilder besser zu verarbeiten. Manchmal weil es inhaltliche Verknüpfungen gibt und manchmal weil beim Lesen Gedanken aufkommen, die mir dabei helfen das was mich in dem Moment beschäftigt, besser zu verarbeiten. Und auch das Schreiben eigener Gedanken hilft mir, mich wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Zumindest bis zur Arbeit am nächsten Video.

 
In der Audioversion meines letzten YouTube-Videos vermische ich Bilder, Töne, Musik und Animationen. Im Gegensatz zur YouTube-Version gibt es keine Stimme aus dem Off, die den Inhalt einordnet. Als das Video fertig war, hab ich erstmal etwas Zeit gebraucht, um mich zu sammeln, abzuschalten und wieder zur Ruhe zu kommen.

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